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Barrierefreiheit = Nachhaltigkeit?

"Barrierefreiheit" im Tourismus gewinnt sowohl unter ökonomischen als auch unter gesellschaftspolitischen Aspekten immer mehr an Bedeutung. Es liegt nahe, beide Ansätze im Tourismus miteinander zu verbinden.

 (ib) In Österreich gibt es kein eigenes Tourismusgesetz; Tourismus liegt im rechtlichen Einflussbereich zahlreicher Bundes- und Landesgesetze sowie der Gesetzgebung auf europäischer Ebene. Was alles unter Nachhaltigkeit verstanden werden kann und wie sich diese im Tourismus wirklich auswirkt, das glich bei der diesjährige Fachtagung der "Infoplattform Barrierefreier Tourismus in Österreich" (IBFT) einem bunten Bild.

Einigkeit herrschte jedoch darüber, dass abgesehen von einzelnen ausgesprochen zufriedenstellenden bis zu wenigen echten Vorzeigeprojekten seitens der Tourismuswirtschaft noch immer nur unzureichend auf den Barrierefrei-Tourismus gesetzt wird. Dabei sprechen die Zahlen längst für sich: EU–weit würden geschätzte 260 Millionen Personen barrierefreie Angebote konsumieren, wären sie in ausreichender Zahl vorhanden.

Im barrierefreien "Fränkischen Seeland" (siehe dazu monat Februar 2007) sind durch die Schaffung barrierefreier Infrastruktur 15 Millionen Euro an jährlichen Einnahmen aus 150.000 Übernachtungen, Naherholungsreisen und Camping zu verzeichnen. Auch in schwachen Saisonen wurden neue Urlaubsgäste gewonnen.

Und nicht zuletzt würden nach einer amerikanischen Tourismusstudie (2005) 44 % aller behinderten Amerikaner nach Europa reisen, wenn barrierefreie Infrastrukturen im entsprechenden Ausmaß vorhanden wären. Die Mehrzahl dieser Reisewünsche konzentriert sich allerdings auf Deutschland. Österreich wird in dieser Aufzählung nicht einmal erwähnt. Pro Person liegen die durchschnittlichen Reiseausgaben eines erwachsenen behinderten Menschen bei 1.600,-- Dollar – ein Markt, dem zu näheren sich lohnt. In Österreich wurden im Sommer 2007 von IBFT Österreichische Tourismusorganisationen zu "Barrierefreiheit" befragt. IBFT weist darauf hin, dass es zwar keinen Anspruch auf Repräsentativität der Ergebnisse gibt und die Erhebung eine Momentaufnahme darstellt. Sie ist aber dennoch als Überblick über die Situation in Österreich gut geeignet.

Angeschrieben wurden alle Tourismusvereine und -organisationen auf Regional- und Gemeindeebene (über 700; ohne Wien). Kärnten und Vorarlberg lieferten keine Ergebnisse; in Niederösterreich und im Burgenland ist barrierefreier Tourismus noch kein Thema. Insgesamt, so resümiert IBFT, wird von Seiten der Tourismusregionen "Barrierefreier Tourismus" noch wenig bis gar nicht als Marktchance wahrgenommen, nur Oberösterreich, Salzburg, die Steiermark und Tirol sind stärker engagiert. Probleme gibt es schon zu Beginn der touristischen Servicekette durch mangelnde Informationen bei den Servicestellen – diese wären aber die ersten Ansprechpartnerinnen in der Region. Es ist dies ein strukturelles und wirtschaftspolitisches, jedoch kein personelles Problem.

Die vorhandenen Angebote richten sich in erster Linie an RollstuhlfahrerInnen. Eine mangelnde oder nur mangelhafte Internetpräsentation rundet das äußerst magere Angebot unzufriedenstellend ab.

Ein buntes Bild zeigt sich auch in der Art der Bemühungen der Bundesländer für "Barrierefreien Tourismus". Während etwa Oberösterreich an Tourismusbetriebe einen Fragenkatalog aussendet, wo diese ihre Abmessungen in den wichtigsten Räumlichkeiten bekannt geben können (sollte es in Folge Kritikpunkte seitens der Gäste geben, werden die Betriebe wieder von der Liste der barrierefreien Anbieter genommen), geht die Steiermark ganz andere Wege: "Steiermark für Alle" ist eine Initiative von Steiermark Tourismus, in der sich Urlaubsbetriebe von unabhängigen Expertinnen und Experten checken und beraten lassen. Die Checklisten und Kriterien wurden von insgesamt 10 steirischen Verbänden und Initiativen für verschiedene Bedürfnisgruppen in gemeinsamen Arbeitskreisen ausgearbeitet und Mindestkriterien festgelegt.

Die Entwicklung im barrierefreien Tourismus schätzt der deutsche Tourismusexperte Peter Neumann aufgrund der gegenwärtigen Finanzlage als unsicher ein, allerdings, so Neumann, sei schon jetzt feststellbar, dass man weniger Investitionen in Fünfsternbetriebe als in Drei- und Viersternbetriebe tätigt.

Zur Inhaltsangabe

Österreichische Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (ÖAR)
Dachorganisation der Behindertenverbände Österreichs

1010 Wien, Stubenring 2/1/4, E-Mail: dachverband@oear.or.at

Tel.: +43 1 5131533, Fax: +43 1 5131533-150

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