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Publikationen der ÖAR


ZEITUNG,
TAGUNGSBERICHTE
UND VIELES MEHR
  

November 2004

Arm, aber reinlich
Utl.: ÖAR: ÖBB-Qualität findet ohne Menschen mit Behinderungen statt
Gleich zwei öffentliche Termine des ÖBB-Personenverkehr haben heute wieder einmal mehr bewiesen, dass Bahnfahren in Österreich offensichtlich nicht für Menschen mit Behinderungen gedacht ist.
Bei einer Pressekonferenz am späten Vormittag wurde eine Gallup-Umfrage zum Thema "Kundenzufriedenheit" präsentiert, nach der Fahrgäste die Leistungen der Bahn mit "Gut" beurteilt hatten. Ausgeklammert waren jedoch alle Fragen, die ein Indiz für die Kundenzufriedenheit von behinderten oder mobilitätsbeeinträchtigen Fahrgästen gegeben hätten, ebenso wie Fragen über die Zufriedenheit mit dem neuen Nahverkehrszug "Talent", der ja, wie bereits berichtet, in Salzburg seit mehr als drei Monaten eingesetzt wird und dessen Fehleranfälligkeit mindestens ebenso legendär ist wie seine mangelnde Barrierefreiheit für behinderte Menschen. Auf die Frage, warum bei 130 Einzelfragen solche zur Barrierefreiheit keinen Platz gehabt
hätten, meinte der Vorstandsdirektor der ÖBB Personenverkehr, Dr. Stefan Wehinger, sinngemäss, "man könne sich ja nicht um alles kümmern", versprach jedoch gleichzeitig die Einrichtung einer Stabsstelle "Barrierefreiheit" in naher Zukunft. Die Zeitungsmeldung der Salzburger Nachrichten , wonach es beim "Talent" in seinen ersten drei Betriebsmonaten 441 Störmeldungen gegeben hätte - ein Vertreter des BMVIT korrigierte auf "nur" 80 nennenswerte Zwischenfälle, bezeichnete er als "Unsinn von A bis Z", es habe nur 2 nennenswerte Störfälle gegeben.
Ebenfalls am Vormittag luden die ÖBB und das BMVIT zu einem Rampen- Neigungstest auf den Wiener Westbahnhof. Eduard Riha, Generalsekretär der ÖAR, und seit Jahren mit dem Thema "Zugänglichkeit" befasst: "Was bei diesem Termin offensichtlich wurde, ist schon hinlänglich bekannt: Rampen über 10 % Neigung sind gefährlich. Diese Dinge kann man nachlesen, schließlich prüfen Ministerium und ÖBB ja auch nicht mit eigenen Versuchsreihen, ob ein Rad auch tatsächlich rollt. Auch die Vorstellung in einigen Köpfen, man könne mit Hilfe von Bahnpersonal steilere Rampen sicher bewältigen, zeigen, dass einige Entscheidungsträger komplexere Zusammenhänge immer noch nicht verstanden haben. Wer Bahnpersonal das Rückhalten eines Elektrorollstuhls (150 bis 300 kg!) auf 17 % und mehr Steigung zumuten will und das bei jeder Witterung und unter gleichzeitigem Festhalten des Rollstuhlbenutzers (weil dieser sonst aus seinem Sitz rutscht oder fällt) handelt grob fahrlässig!"

Wien, 15.11.2004

Behindertengleichstellung und Zusammenarbeit über die Grenzen hinaus
Die gesetzliche Herbeiführung der Chancengleichheit von behinderten Menschen hat in den Mitgliedstaaten der EU einen unterschiedlich Verlauf genommen. Der Vergleich der Geschichte der Europäischen Behindertengleichstellungsgesetzgebungen und der persönliche Erfahrungsaustausch
zwischen Vertreterinnen und Vertretern von Behindertenorganisationen wird im Mittelpunkt der von der ÖAR veranstalteten Tagung am 24. November in Wien stehen.
Beim "Nationalen Informationstag 2004" sollen einerseits entsprechende österreichische, ungarische und slowenische Erfahrungen sowie
Problemlösungsansätze vorgestellt und diskutiert werden, andererseits ist eine rechtswissenschaftliche Auseinandersetzung mit der entstehenden österreichischen Gleichstellungsgesetzgebung vorgesehen; sowohl aus wissenschaftlicher und juristischer Sicht als auch aus Sicht der Vertreterinnen und Vertreter der Behindertenorganisationen. Ebenso werden grenzüberschreitende behindertenspezifische Projekte vorgestellt. Die Frage der Umsetzbarkeit der - bestehenden - Gleichstellungsgesetze anhand der politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten in den einzelnen Staaten bildet einen weiteren Programmpunkt.
Es gibt noch Restplätze!

Wien, 15.11.2004

 
Chancengleichheit - andere Länder, andere Wege?
Unter diesem Titel veranstaltet die Österreichische Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation heute ihren "Nationalen Informationstag 2004". Das Thema wurde von der Europäischen Kommission vorgeschlagen, um den Aufbau von Netzwerken mit den neuen EU-Staaten voranzutreiben.
Der Vormittag steht ganz im Zeichen der Entwicklung des österreichischen Behindertengleichstellungsgesetzes. Juristen, Ministeriumsbeamte, behinderte
Menschen selbst und Behindertenvertreter diskutieren zum vorliegenden Entwurf.
Ingemar Färm vom Europäischen Behindertenforum (EBF) in Brüssel referiert über den Know-How-Transfer des EBF mit den neuen EU-Ländern. Das EBF hat sich auch dafür stark gemacht, dass Behindertenangelegenheiten in den Beitrittsverhandlungen berücksichtigt werden. Durch diese Aktivitäten konnte ein umfangreiches Wissen über die Situation der Menschen mit Behinderungen in diesen Staaten gewonnen werden. Das Projekt zur Unterstützung der neuen EU-Staaten wurde über das EU-Programm "Phare" eingereicht.
Dr. Lajos Hegedüs, Präsident des Dachverbandes der ungarischen Behindertenverbände, stellt in seinem Statement über "Recht und Wirklichkeit in
Ungarn" fest, dass in Ungarn trotz der neuen rechtlichen Ordnung noch immer die Reflexe der Vergangenheit spürbar seien, und zwar: "Es genügt für die behinderten Menschen, mit sozialen Mitteln versorgt zu werden; es ist nicht nötig, sie selbst in die Entscheidungen mit einzubeziehen." Ein anderes Problem, so Hegedüs, seien die knappen finanziellen Ressourcen. Die Gründung der slowenischen Behindertenbewegung, so führt Stefan Kusar aus, ist auf die 60iger Jahre, die Zeit des vereinten Jugoslawiens, zurückzuführen. In den vergangen Jahren entwickelte sich eine echte Kultur der Zusammenarbeit zwischen den Behindertenvereinen.
Dr. Maria Bruckmüller, Ehrenpräsidentin der Lebenshilfe Österreich, Franz Wolfmayr, Chance B, Gleisdorf, und Prof. Klaus Miesenberger von der Universität Linz stellten transnationale Projekte aus den vergangenen Jahren vor. Die Lebenshilfe Österreich leistete über die europäische Dachorganisation Inclusion Europe vor allem Know How-Transfer in Ungarn und Slowenien.
Die Referate und Statements können angefordert werden.

Talent – ein würdeloses Unterfangen
ÖAR.: Vor allem aber mangelt es an der Barrierefreiheit
Der in Salzburg nun schon seit Juli eingesetzte Nahverkehrstriebwagen "Talent" sorgt immer wieder für Schlagzeilen: Wie zahlreichen Artikeln aus den "Salzburger Nachrichten" zu entnehmen ist, ist die Störanfälligkeit des Zuges zumindest in Salzburg bereits legendär.
"Was die ÖAR besonders ärgert, ist die Ignoranz der ÖBB-Verantwortlichen gegenüber dem Steuerzahler: Nicht nur, dass der Zug aufgrund seiner
Fehleranfälligkeit in Salzburg nur für Ärger sorgt, so wurden auch die zahlreichen Anregungen, die bezüglich Barrierefreiheit bei zwei Besichtigungen in Wien gegeben wurden, schlichtweg ignoriert," ärgert sich Eduard Riha, Generalsekretär der ÖAR, über die ÖBB Personenverkehr.
Mittels einer ausführlichen Presseaussendung vom 5. August 2004 sowie zahlreichen Fotobeispielen wurde die Besichtigung im Sommer dokumentiert. Die Feststellung der Behindertenvertreter, dass der Nahverkehrszug "Talent" rund 85 % der Rollstuhlfahrer ausschließt, blieb bis Dato ungehört.
"Der Qualitätsanspruch "barrierefrei" trifft somit auf den "Talent" weiterhin nicht zu", schließt Riha.

Wien, 8.11.2004

Österreichische Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (ÖAR)
Dachorganisation der Behindertenverbände Österreichs

1010 Wien, Stubenring 2/1/4, E-Mail: dachverband@oear.or.at

Tel.: +43 1 5131533, Fax: +43 1 5131533-150

Gefördert aus Mitteln des Bundesministeriums für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz

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