Utl.: ÖAR: Durch falsche Positiv-Berichterstattung wird ÖBB-Personenverkehr "gesundgebetet"
Im jahrelangen Streit um den mäßig tauglichen Nahverkehrszug, der ÖBBPersonenverkehr-Sonderversion des "Talent", haben Minis-terialbürokratie und
Mitarbeiter des ÖBB-Personenverkehr Minister Gorbach und der Kronenzeitung einen weiteren Streich gespielt. In einem in aller Stille, mit handverlesenen Journalisten organisierten, Fotoshooting fand ein weiterer Versuch statt, die Missstände beim ÖBB-Personenverkehr und damit das kranke Projekt Talent" gesundzubeten.
Im Kronenzeitung-Bericht vom 2.9.2004 war keine Rede von der seit über drei Jahren in vielen Seiten Text und Foto eingebrachten Kritik behinderter und
nichtbehinderter Experten. "Der im Bericht angeschnittene "große Test" kann beruhigt eingespart werden, denn die Protokolle über die Bahn-Unzulänglichkeiten füllen bereits mehrere Aktenordner", kommentiert Eduard Riha, Generalsekretär der ÖAR, den Kronenzeitung-Artikel. Weder Foto noch Berichterstattung gehen darauf ein, dass für die Mehrzahl der Rollstuhlfahrer der Besuch der "talentierten" Toilette zu einer open-air-Veranstaltung wird, weil die Türe nicht geschlossen werden kann, vom unmöglichen Umstieg auf die WC-Schale ganz zu schweigen. Fotos und Berichterstattung breiten auch den gütigen Mantel des Schweigens darüber aus, was der abgebildete Rollstuhlfahrer im Talent bei 38 cm hohen Bahnsteigen macht (er findet dann bereits eine Rampensteigung von 24 % vor), sie verraten auch nicht, was mit ihm auf niedrigeren Bahnsteigen (23 cm Höhe und Erdbahnsteige) geschieht, die im Nahverkehr in österreichischen Bahnhöfen zu finden sind. "Ich beginne darüber nachzudenken, was diese seltsame Allianz aus oberster Eisenbahnbehörde und leitenden ÖBB-Personenverkehrsmitarbeitern zusammenhält" so Eduard Riha, und weiter, "dass allerdings der Minister und ein namhaftes Medium für diese peinliche Farce missbraucht wird, stört mich, weil ich Gorbach für redlich halte".
Wien, 2.9.2004



