"Meine Vision ist, dass jeder Jugendliche mit 15 Jahren eine Ausbildung beginnen kann, die seinen Anforderungen entspricht, egal wie lange er dafür braucht!" Mit diesem Statement leitete Sozialminister Rudolf Hundstorfer den Informationsnachmittag "Behinderung, Armut und soziale Ausgrenzung" ein, der gestern in Wien im Congress Center Austria stattfand. Was aber ist mit jenen Menschen mit Behinderung, die nicht arbeitsfähig sind? Aus Sicht der UN-Konvention für Menschen mit Behinderungen sind die pensionsrechtliche Absicherung und eine adäquate Entlohnung für Menschen in segregierenden Arbeitsverhältnisse wie z.B. Werkstätten absolut vorrangig.
Nicht zuletzt bestätigt und auch von der Bundesregierung offiziell als Maßnahme zur Armutsvermeidung anerkannt ist das Pflegegeld. Klarerweise, hier herrschte Einigkeit unter den TeilnehmerInnen, kann dies jedoch nur funktionieren, wenn das Pflegegeld als Geldleistung gesichert bleibt und eine jährliche fixe Valorisierung erwartet werden kann.
Auch bei der Bildung herrschte Einigkeit: "Bildung ist der entscheidende Faktor zur Armutsvermeidung und zudem ein Menschenrecht. Es ist dringend notwendig, einen Inklusionsfahrplan zu erstellen", forderte Caritas Präsident DDr. Michael Landau.
Dr. Klaus Voget, Präsident der ÖAR, wies in seinem Eingangsstatement darauf hin, dass 1992, also vor nunmehr 18 Jahren (!), das Bundesbehindertenkonzept verabschiedet worden ist und wesentliche Teile davon sind bis heute noch immer nicht umgesetzt.
Abschließend stellte Voget fest, dass die Tagung wieder ins Bewusstsein gerückt habe, dass Menschen mit Behinderungen noch immer nicht automatisch die gleichen Möglichkeiten in ihren Lebenswelten offenstehen wie für Menschen ohne Behinderung und dass hier, vor allem im Lichte der UN-Konvention, dringender Änderungsbedarf bestehe.
Der Infotag "Behinderung, Armut und soziale Ausgrenzung" wurde von den TeilnehmerInnen als ein erster erfolgreicher Versuch gewertet, möglichst viele Menschen zusammenzubringen, um positive Synergieeffekte zu erhalten und erfolgreiche Strategien gegen die Armutsgefährdung von Menschen mit Behinderungen zu entwickeln.
Wien, 26. Mai 2010



