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OÖ: Ein Landesrat dreht durch

Im Lead-Text eines Artikels in den Oberösterreichischen Nachrichten vom 6. Juli, in dem Haimbuchner seine schrulligen Vorstellungen zum Sparen im Wohnbau verkünden konnte, heisst es unter anderem: "Eine ‚Roßkur’ für günstigeren Wohnbau, wie sie sich FP-Wohnbaulandesrat Manfred Haimbuchner vorstellt: Gesetzliche Bau-Vorgaben, wie für verpflichtende Lifte oder Barrierefreiheit, sollten zurückgenommen werden."

 "Dass ein wohnbauverantwortlicher Politiker solche Meldungen von sich gibt, ist neu und diskreditiert ihn als Experten," meint dazu der Experte der ÖAR für barrierefreies Bauen, Generalsekretär Eduard Riha, und stellt weiter fest:"Zahllose Arbeiten aus mehreren europäischen Ländern und mehrere österreichische Expertisen belegen, dass sich barrierefreies Bauen kaum verteuernd auswirkt."

In einer Studie der ETH Zürich (Eidgenössische Technische Hochschule Zürich) zum Thema Kosten von Barrierefreiheit kommen die Experten zum Schluss, dass sich die Mehrkosten (abhängig vom Gesamtvolumen des Gebäudes) in der Höhe der Endreinigungskosten nach Baufertigstellung bewegen.

"Was Haimbuchner auch nicht begriffen hat, ist der Schaden an der Volkswirtschaft und das mehrfache an Folgekosten dessen, was er einzusparen glaubt. Wird Barrierefreiheit am Neubau verabsäumt, werden die künftigen Bewohner dazu verurteilt, bei Eintritt von Behinderung durch Unfall oder Alter – in einer Situation, in der sie ohnehin ausreichend Schwierigkeiten haben – die Wohnung wechseln zu müssen. Oder aber es muss mit enormen Kosten nachgerüstet und adaptiert werden – ein Aufwand, der ebenfalls von der Allgemeinheit finanziert werden muss. Zusätzlich ist in Wohnungen, wie sie Haimbuchner vorschweben, bei zunehmendem Alter der Bewohner auf jeden Fall mit enorm höheren Kosten für mobile Dienste jeder Art zu rechnen als in barrierefreien Häusern," führt Riha aus.

Die ÖAR ergänzt die Sommersatire Haimbuchners, der im selben Artikel auch gleich die Streichung von anderen Baumaßnahmen, wie etwa Notkaminen vorschlägt, mit weiteren Anregungen: Abspecken von Kosten für die Statik, ein bissl weniger Erdbebensicherheit am Bau, Reduktion der Wärme- und Schalldämmung und allenfalls noch kleine Reduktionen im Sanitärbereich unter der Devise "Verbesserung nachbarschaftlicher Kontakte": früher hatten die Leute auch bloß ein WC pro Geschoß gemeinsam.

Wien, 20. Juli 2010

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