Sakrales & Profanes
Die gute Nachricht: Nach sechs Jahren Renovierungsarbeit erstrahlt die Otto- Wagner-Kirche am Steinhof in neuem Glanz. Das sakrale Baudenkmal im Jugendstil hat es auch verdient, restauriert und für spätere Generationen erhalten zu werden.
Die Kosten von 11,6 Millionen Euro teilen sich laut "Die Presse" vom 28. September 2006 das Wiener Finanzressort, der Wiener Altstadterhaltungsfonds und der Krankenanstaltenverbund (KAV) zu je einem Drittel.
Anerkennung verdient die Stadt Wien, die "sich ihrer Verantwortung für die Sakralbauten bewusst ist", wie Kulturstadtrat Mailath-Pokorny betont. So weit, so gut. Warum sich allerdings auch Gesundheitsstadträtin Brauner als Bauherrin betätigen wollte und dafür 3,8 Millionen Euro aus dem Gesundheitsbudget springen ließ, ist nicht so einfach nachzuvollziehen, auch wenn sie meint, das sei "ein teurer Beweis, dass wir uns um das gesamte Areal am Steinhof kümmern".
Aber was sind schon 3,8 Millionen (genauer gesagt: 3,86666...) wenn man dafür auf einem Carrara-Marmor-Taferl in güldenen Lettern verewigt wird. Da gäbe es doch wahrlich andere Dinge, um die sich der KAV kümmern könnte. Kümmerlich sind z.B. immer noch die Küchen und das Speisen-Service in manchen Spitälern, die nach wie vor den Charme des vergangenen Jahrhunderts versprühen.
Bauliche Maßnahmen könnten u.a. auch für etwas mehr Barrierefreiheit im Sinne des Behindertengleichstellungsgesetzes sorgen. So hat etwa das größte Wiener Spital, das AKH, noch immer keine normgerechten Behindertentoiletten. Mit 3,8 Millionen Euro wäre da schon Einiges zu machen.
Vielleicht wäre sogar eine kleine Renovierung des Pavillon IV in Lainz (pardon: Im Geriatriezentrum am Wienerwald) möglich. Eventuell würde dann die Kritik des Pflegeombudsmannes Dr. Vogt etwas leiser und man müsste ihn nicht so brutal aus seinem Job entfernen.
Übrigens: Die Otto-Wagner-Kirche am Steinhof ist (außer samstags ab 15 Uhr) für die Öffentlichkeit gesperrt.
9.10.2006
